Die Zeitung HELGIN vom 13. Oktober 2006 schreibt: unter dem Titel

MEINEN WIDERSACHERN IST DAS LACHEN VERGANGEN:

Vor 13 Jahren saβ Ármann Reynisson im Gefängnis Kvíabryggja und erwog, wie er sein Leben ändern könnte. Er sah nur einen Weg, um die Einstellungen anderer zu ändern: Die Wahrheit aufzuschreiben. Nun sind sechs Bücher erschienen.
„Als ich zu schreiben begann, wuβte ich nicht, welche Form ich wählen sollte, doch dann bahnte sich eine Erzählform ihren Weg, die später Vignetten genannt werden sollte, eine französische Literaturform des 17. Jahrhunderts, auf die sich kein isländischer Autor der eintausendjährigen  Literaturgeschichte des Landes jemals konzentriert hatte. Und da beginne ich als 50-jähriger Geschäftsmann damit!”

In dem zwei Seiten umfassenden Porträt geht Ármann Reynisson auf seine leidvolle, aber auch erfreuliche Lebensbahn ein.
Da heiβt es:
Die Vergangenheit Ármanns Reynissons ist wohl bekannt. Er gründete das Finanz- und Wertpapierunternehmen Ávöxtun nach seiner Ausbildung an der London School for Economics 1982, bot Verzinsung mit Inflationssicherung an, was auf dem isländischen Markt bis dahin unbekannt war. Er wurde angeklagt, vor den Kadi beordert und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Bildunterschrift: Der Vogel Phönix. „Björgúlfur Guðmundsson (ein isländischer Groβfinanzier, Anm. der Übersetzerin) und ich sind beide zurückgekehrt. Er vermittelt der Nation das Denken in Milliarden, und ich vermittele eine neue Literaturtradition.”

„Nach dem finanziellen Zusammenbruch ging ich über verbrannte Erde, denn ich hatte nicht - wie so viele andere - eine Reserve hinterzogen. Ich muβte, wie die Deutschen nach dem Krieg, von vorn anfangen, und ich glaube, es ist mir ebenso gut wie ihnen gelungen. ... Das, wofür ich verurteilt wurde, sind die Geschäftsmethoden, die Jón Ásgeir (ein weiterer Groβfinanzier der isländischen Gegenwart, Anm. der Übersetzerin) und alle anderen heute in Island einsetzen.”  ...

Auf die Frage, wie er die Zeit im Gefängnis von Kvíabryggja erlebt habe, antwortet Ármann Reynisson:
„Ich war ein Weltmann in der Verbannung. Die Angelegenheit war ungeheuer erniedrigend für mich. Alles wurde getan, um mir das Leben zu erschweren, man könnte es mit Diskriminierung vergleichen ... Im Nachhinein betrachtet war das Jahr in Kvíabryggja eines meiner besten Studienjahre... ”

Bildunterschrift: In Grönland im Juni. Ármann Reynisson überreicht der Landesbibliothek in Nuuk die Vignettensammlung. Hier mit Elsa Jeremiassen, der Landesbibliothekarin, und Erla Lynge, Journalistin und Autorin.

„Ich wuβte, daβ ich ein zweites Leben hatte und aus der Situation wie der Phönix aufsteigen würde. Mit einer solchen Einstellung kann man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Hätte ich nicht so gedacht, stünde ich heute im Abseits. Ich lernte die Leute der Geldbranche damals sehr gut kennen und schere mich heute nicht mehr darum.”

(...)
„Ich bin ein „late bloomer” und will, daβ die Dinge heute schneller gehen, als früher, als ich jung war”, sagt Ármann lachend. (...) „Ich besuchte die gröβte Buchmesse der Welt in Frankfurt, lieβ ein Faltblatt mit Informationen zu mir und den Vignetten herstellen, das mir die Pforten zu den unglaublichsten Leuten öffnete. Einer der einfluβreichsten Deutschen im Literaturbereich, Dr. von Hänsel-Hohenhausen, war so begeistert, daβ er mich zu einem Gespräch einlud. Er wollte das Buch gleich dem Literaturrat der Frankfurter Verlagsgruppe vorstellen. Einige Wochen später erhielt ich positive Antwort, und der Ball kam ins Rollen. Vignetten V erschienen auf Deutsch und auf Isländisch am 28. August vergangenen Jahres.”

Bildunterschrift: Orange ist die Farbe des Friedens und der Freude. Mit einem speziell entwickelten Vignetten-Konfektkasten, der Jahreszeitkonfekt des Konditormeisters Hafliði enthält.

Die Redakteurin des Artikels, Anna Kristine:
Man muβ nicht viele Zeilen der Vignetten lesen, um sich darüber klar zu werden, über welche Menschen Ármann Reynisson schreibt. Er selbst sagt, daβ er nicht unbedingt über Leute schreibt, sondern über das System an sich. (...) Ármann hat 3.000 Abonnenten für jedes Buch, doch nach eigener Aussage erhält er nicht nur positive Reaktionen.
Als Beispiel nennt er einen Mann in Nordisland, der das Buch angeblich ins Meer geworfen hätte, mit der Bemerkung, es sei hoffentlich auf dem Weg zu Ármann nach Süden (Reykjavík).
(...) Ármann vertraut seiner inneren Stimme und den Träumen. Um die Osterzeit, als er Reisepläne nach Indien geschmiedet hatte, träumte er von einer alten grönländischen Trommelspielerin, die er vor 21 Jahren in Kulusuk (an der Ostküste Grönlands, Anm. der Übersetzerin) getroffen hatte. Er änderte seinen Reiseplan und reiste nach Grönland und erlebte dort eine so schöne Zeit, daβ er 13 Grönlandvignetten verfasste, die nach einem Jahr herauskommen werden. (...)

Bildunterschrift: In Brattahlíð (Qassiarsuk). ÁrmannReynisson mit Edda Lyberth und Anne Sofie Hardenberg, der bekanntesten Köchin Grönlands.

(...) Ármann Reynisson sagt, daβ seine Zukunft ein unbeschriebenes Blatt sei und er keine konkreten Pläne habe.
„Wenn Gott es erlaubt, werde ich acht Vignetten-Bücher schreiben. Ich habe auch Interesse daran, eine Art Schriftsteller nordischer Regionen zu werden, denn diese Regionen werden in Zukunft viel mehr Einfluβ haben, als wir es uns heute ausmalen. (...) Gemessen an dem, was in meinem Leben geschehen ist, habe ich erreicht, die Dinge so zu verarbeiten, daβ ich einig bin mit Gott und den Menschen. (...) Jemand, der so auffallend im Geschäftsleben war wie ich, macht sich Feinde am Flieβband. Und einer wie ich, der im tiefen Wellental landet und doppelt stark daraus hervorgeht, und der Nation eine neue Literaturtradition nahebringt, fordert die Neider erneut heraus. Als ich mich vor zwölf Jahren entschloβ, für meine Gegner und Neider zu beten, löste ich mich von ihrem Einfluβ. (...) Wer andern einen Stein in den Weg legt, fällt selbst darüber.”

(frei, doch getreu wiedergegeben von Gudrun M. H. Kloes)


 
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