Vinjettur VIVinjettur VI

In den Vinjettur VI wird das Schlaglicht auf Interna des Rechtssystems sowie Gegenwartsfragen geworfen. Dazu kommt eine abwechslungsreiche Thematik aus dem Alltag, der Natur sowie Geschichten aus einigen Städten im Ausland. Ármann Reynisson überrascht seine Leser ein weiteres Mal, und der bildhafte Text ist angesichts des Tempos unserer Zeit im heutigen Island wie im Ausland zu einem beliebten Lesestoff geworden. Er eignet sich zum Vorlesen in unterschiedlichen Situationen. Vignetten haben sich in Island durchgesetzt.

Titel des Buches: Vinjettur VI
© Ármann Reynisson 2007
Doppelsprachige Ausgabe
Übersetzung ins Englische: Martin Regal
Kunstwerk auf dem Titel: Jón Óskar
Design: Guðmundur Oddur Magnússon
Foto Titelbild: Kristján Maack
Lektorat: Sigrún Árnadóttir
Umbruch: Pjaxi
Druck: Delo Tiskarna, Slovenia
Herausgeber: ÁR-Vöruþing ehf., Súðarvogur 38, IS – 104 Reykjavík
ISBN: 9979-9595-4-1

Der fromme Anwalt

Hin und wieder kann man einen kriegerischen Mann in das Justizgebäude schreiten sehen oder herauskommen, mit einem ungeknöpften Umhang bekleidet, dessen nach unten gezogener Kragen hellblau abgesetzt ist.  Windböen wehen die Kleidung hin und her, doch wenn der Wind darunterfährt, wölbt sich das Rückenteil wie bei einem Segelschiff, und der lachende Rechtsanwalt scheint sich in die Luft zu heben. In der Regel hat der Anwalt mit umfangreichen Angelegenheit zu kämpfen, und er wird als einer der Geschicktesten seiner Zunft angesehen und strotzt vor Selbstbewuβtsein. Schlieβlich sind die Menschen fleiβig genug, mit dem Sturm im Wasserglas zu spielen, und die Fälle werden von Jahr zu Jahr komplizierter, und davon lebt das Rechtssystem.

Der Kommunist

Der Kalte Krieg herrschte nicht nur unter Politikern und Groβmächten im Osten und Westen, sondern auch unter der Bevölkerung und sogar unter den Kindern der abgelegensten Nester. Die Leute teilten sich in Parteien nach ihren politischen Ansichten und hatten deswegen Auseinandersetzungen, Familien spalteten sich in Parteien, und die lieben Kleinen äfften ihnen nach in ihren Kriegsspielen. Im Advent konnte man die politische Haltung an der Farbe der Weihnachtsbeleuchtung ablesen, die sie an den Balkonen ihrer Häuser aufhängten.

Der groe Dichter

Im zweigeschossigen Amtssitz weit weg der Heimat fällt eine stattliche Rundtreppe auf, die die Etagen miteinander verbindet.
Ein Glasaufzug geht in der Mitte der Treppe für die Bewohner auf und ab, die stets unterwegs sind. Diese Einrichtung erregt stets das Interesse offizieller Gäste bei Empfängen, die in der unteren Etage gehalten werden. Es scheint, als ob die Treppe von niemand anderem als dem vielversprechenden Sohn des Beamtenehepaares benutzt würde.

Ksse

Der Kontakt von Personen, die eng vertraut sind, ist vielseitig, und of ist es schwer zu erklären, was genau sie verbindet. Bei einigen dauert es das ganze Leben, bei anderen ein einziges Mal, und alles andere dazwischen. Küsse tauchen dann auf, wenn das Eis zwischen den Menschen geschmolzen ist und sie einander Liebe oder Fürsorge bezeugen wollen, häufig erst, wenn eine bestimmte Zeit verstrichen ist, manchmal aber auch beim ersten Kontakt.

Das dritte Herz

Draussen auf der äuβersten Landspitze, dort wo die Brandung sich am Strand bricht und unterschiedlich schnell zu den Herzen der Einwohner schlägt, erhebt sich Grindavík aus der Ebene hinter dem Kai.
Bei Seegang ist die Schlagader des Ortes überfüllt mit unterschiedlich groβen Booten, leert sich aber, wenn Fischfang in den reichen Fischgründen möglich ist. Geschäftig sieht es aus, wenn die Fischerboote bis zum Rand beladen und von Vogelschwärmen umfaβt einlaufen und prima Fisch für die Nationalwirtschaft anlanden. In dieser Umgebung lebt und wirkt ein Mann in heller Erscheinung, einer der wenigen Erdenbürger, in dem das dritte Herz regt.

 
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Höfundarréttur © 2001 Ármann Reynisson